CO2 – gegen die Todesangst!

CO2 hat heutzutage einen schlechten Ruf bekommen. Dabei sehen wir daran vorbei, dass dieses Gass lebenswichtige Funktionen hat – für jeden Organismus, die Ökosysteme und die ganze Erde. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf den Menschen, eine verbreitete Stressantwort, und deren Verbindung zu typischen Krankheitsmustern, die die Wissenschaft bislang noch nicht ganz entschlüsseln konnte.

Jeder weiss, dass wir Sauerstoff einatmen, mit dessen Hilfe Glukose aus unserer Nahrung in die Energie umgewandelt wird, die wir für unsere Lebensfunktionen brauchen. Der mit der Luft eingeatmete Sauerstoff wird an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen gebunden – diese ändern dabei ihre Farbe von bläulich zu hellrot. Dieser Gasaustausch geschieht in den Alveolen der Lungen, die wie kleine Trauben an den Enden des Bronchialbaums aussehen. Das sauerstoffreiche Blut wird dann durch die Arterien und Blutkapillaren in die Gewebe transportiert, wo die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen – ATP als Energiequelle für unsere Muskelarbeit herstellen.

Lungengewebe

Wie man sieht, sind die Alveolen im Stammhirn repräsentiert, und sind unglaublich anpassungsfähig in ihrer Funktionsweise: normalerweise ist nur ein kleiner Teil aktiv und blutdurchströmt. Während Belastungen wie Sport, Lachen oder hohem Fieber werden “Reservealveolen“ aktiviert, um ihre Funktion bedarfsgemäß zu erhöhen. 1

Dr Hamer fand heraus, dass der gleiche Mechanismus auch durch Erlebnisse der Todesangst ausgelöst wird. Wenn diese Panik und nachfolgenden Ängste nicht gelöst werden, können sich die Größe und Anzahl der Alveolen erhöhen, um damit zu helfen, den Organismus dem erhöhten Bedarf anzupassen. Bist du schon einmal lange genug unter Wasser gehalten worden, über deinen Wunsch zum Einatmen hinaus? Dann weisst du, wie sich diese Panik anfühlt, und warum “Waterboarding” so eine wirkungsvolle Form der Folter ist. 2

Du weisst, wie dramatisch das Gefühl, nach Luft schnappen zu müssen ist!

Gestresste Atmung

Nach Luft zu schnappen ist eine häufige Reaktion, auch in anderen Streßsituationen. Hyperventilation ist eine typische Antwort auf Gefühle wie Angst oder Wut – es wird angenommen, dass sie in 95% der Fälle psychische Ursachen hat. 3
Andererseits ist durch Studien belegt, dass das Atemzeitvolumen von Patienten mit vielen chronischen Krankheiten erhöht ist: so wie bei COPD, Herzkrankheit, Krebs, Asthma, Mukoviszidose und Diabetes. 4

Wenn der Grund nicht in der eingeatmeten Luftmenge liegt, wo dann?

Wir müssen weitere Faktoren untersuchen, die die Aufnahme, den Transport und die Abgabe von Sauerstoff ins Gewebe beeinflussen. Denk an eine reale Kampf-und-Flucht-Situation, also die logische Antwort der sympathischen Nerven auf Bedrohung: wenn wir hyperventilieren, wird unser Blut zeitweilig dicker, um Blutverlust durch Verletzungen vorzubeugen. Daher wird Hyperventilation sogar in der Therapie eingesetzt, z. B. um den Blutdruck im Schädel nach Hirnoperationen zu vermindern. 5. Nichtsdestotrotz ist die Belastung des Herzens größer, und verdicktes Blut kann nicht die Zellen erreichen, die durch die kleinsten Kapillaren versorgt werden!

Was die Biochemie uns verrät

Es gibt einen Weg, diesen Mechanismus zu lösen, und der basiert auf CO2. Die von uns, die eine Erste-Hilfe-Ausbildung genießen konnten, wissen schon: atme in eine Papiertüte, und das seltsame Kribbelgefühl und die Muskelkatalepsie, die bei der Schnellatmung auftreten, verschwinden. Wenn wir weniger Sauerstoff und mehr Kohlendioxid einatmen, werden wir wieder ruhig.
CO2 erweitert nämlich die Blutgefäße. Damit kommt wieder mehr Blut durch und mehr Sauerstoff erreicht die Zellen. Und es gibt noch eine weitere Komponente, die auf dem geheimnisvollen Bohr-Effekt beruht 6: weil CO2 macht, dass der Sauerstoff weniger fest am Hämoglobin der Blutzellen hängt, wird dessen Freisetzung im Gewebe erleichtert! Das wird in der Sauerstoff-Dissoziationskurve dargestellt 7

Oxyhaemoglobin dissociation curve

CO2 erleichtert es den Gewebszellen, Sauerstoff zu bekommen.

Zusammengefasst: Wenn eine verzweifelte Organreaktion durch ein Todesangst-Trauma in Gang gesetzt wird, kann das zu ungesundem Wachstum von Lungengewebe führen, da die biologische Anpassungsstrategie nur für kürzere Zeitdauer bestimmt ist. Später wird das Herz überbelastet und die Gewebsversorgung erschwert. Alveolare Hyperventilation erzeugt auch freie Radikale bzw. “oxidativen Stress”, übersäuert die Körperflüssigkeiten und hemmt das Regenerative (Immun-)System. 8, 9

Wenn die Alveolen nur wüssten, dass es einen Ausweg gibt!

Der Sauerstoff-Vorteil

Das ist der vielversprechende Titel des Buchs von Patrick McKeown 10, welches die Atemmethode erläutert, die von Doktor Konstantin Pawlowitsch Buteyko erforscht wurde.

Es handelt sich faktisch um ein Resilienztraining für die Alveolen: wenn wir nur durch die Nase atmen und das Zwerchfell mehr als die Rippen- und Schulterhebemuskeln benutzen, lernen wir sanftes und leichtes Atmen zur neuen Gewohnheit zu machen. Ausdauersportler machen zum Beispiel Höhentraining, um sich zu gewöhnen, auch mit weniger Sauerstoff hohe Leistung zu bringen, was ihnen im Wettkampf den Vorteil bringt. So können auch wir trainieren, etwas „Lufthunger“ zu tolerieren, und daher mit weniger Luftschnappen besser zu funktionieren: das bedeutet Qualität über Quantität!

Die Methode ist sehr einfach:

  • Beobachte wie du atmest, und wo du die größte Ausdehnung spürst.
  • Probiere, wie lange du den Atem nach dem Ausatmen anhalten kannst, bevor du den ersten Wunsch zum Einatmen hast (du kannst die Zeit nehmen und sie vor und nach dem Atemtraining vergleichen)
  • Atme nur durch die Nase ein, nie durch den Mund.
  • Versuche so sanft zu atmen, dass man es nicht sieht!
  • Übe es, den Atem anzuhalten während Du gehst oder sportliche Übungen machst, und vermeide es, danach nach Luft zu schnappen.

Das wird dir mit der Zeit immer leichter fallen. Diese Methode hat sich bei vielen Atemproblemen bewährt, z.B. verstopfte Nase, Asthma, COPD, und bei Zuständen, die mit ‚oxidativem Stress‘ zusammenhängen.
Zugleich stimuliert die Buteyko-Atmung den Vagusnerv und unterstützt Gelassenheit und Erholung. Ich finde sie eine gute Ergänzung zur Wim Hof-Methode, die bewusst den energetisierten Zustand des Sympathikus nutzt, und die auch Resilienzentwicklung erzielt!

Mit diesen Atemtechniken haben wir effiziente Werkzeuge, um unsere Arbeit an Ängsten und Traumen zu unterstützen, und damit glücklicher und gesünder zu werden!

Ein Fallbeispiel

Eine Frau, selbst sensitiv und schamanische Heilerin, litt seit ihrer Kindheit an Asthma und Verdauungsbeschwerden. Interessanterweise (für die META-Perspektive) war ihr damals eine milde Form von Autismus diagnostiziert worden, was für eine Konstellation von Themen des Revierärgers und der Sprachlosigkeit spricht. Obwohl sie schon ausgiebig an ihrer Wut gearbeitet hatte, die mit ihrer Stellung und Anerkennung in der Familie zusammenhängt, konnten immer noch Gefühlsausbrüche getriggert werden. Daneben waren ihre Atemwege sehr sensibel für jede Form von Staub, Trockenheit und Temperaturwechsel.

Als sie diese Atemtechnik erlernte und anwenden konnte, als sie das nächste Mal die Wut überkam, fand sie Stärke und innere Ruhe, so dass sich ihre Einstellung ändern konnte. Die Kombination von Befreiung der Gefühle, Einsicht und körperlicher Kontrolle war eine totale Erleichterung für sie, und gab ihr einen A-HA-Moment der Erkenntnis.
Wenn sie die Motivation hat, diese Erfahrung zur neuen Gewohnheit zu machen, wird sich nicht nur ihr Asthma verändern, sondern auch das ganze Immunsystem und das Mikrobiom in ihrem Darm, und damit werden sich die Verdauungsbeschwerden lösen.

Es ist erstaunlich, wie wir mit dem Verständnis, wie unsere Biologie arbeitet, bio-logische Signale bewusst nutzen können, um alt eingeprägte Erlebens- und Verhaltensmuster zu ändern!

Dieser Artikel entstammt dem META-Health 4 U Blog


Quellen:
[1] https://flexikon.doccheck.com/en/Alveolus
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Waterboarding
[3] https://www.angst-panik-hilfe.de/hyperventilieren-hyperventilation.html
[4] https://www.normalbreathing.org/causes-of-hyperventilation/

[5] https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fneur.2017.00250/full

[6] http://www.pathwaymedicine.org/bohr-effect
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Oxygen%E2%80%93hemoglobin_dissociation_curve
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Oxidative_stress
[9] https://greek.doctor/pathophysiology-1/45-acute-and-chronic-alveolar-hyperventilation/
[10] https://oxygenadvantage.com/

Bilder:
Erich Westendarp via Pixabay [Pixabay license]
MHI
Wikipedia
ejaugsburg via Pixabay [Pixabay license]

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