Diabetes, Süsse und Widerstand

Diabetes ist epidemisch in Indien. Wie wird das durch das META-Health-Verständnis erklärt?
Wie ist das soziale Muster? Darum ging es in dieser Paneldiskussion auf der Konferenz in Mumbai.

Anu Mehta, META-Health Master Trainer:
Dürfen die Menschen ihrem Herzen folgen? Wenn die Süße im Leben fehlt, fühlt man sich bitter, isst man Süßes. Zum Beispiel muss ein junger Mensch dem Willen der Eltern folgen, muss eine Arbeit von Rang haben, einen bestimmten Menschen von Rang heiraten – etwas anderes wird in unserer Gesellschaft und Tradition nicht akzeptiert. Das ist wie als wenn man die bittere Pille schlucken, aber nach aussen hin Zufriedenheit und Glück zeigen muss. In meiner Erfahrung ist das das größte Problem, dass Menschen gezwungen sind unter Umständen zu leben, mit denen sie nicht glücklich sind.

Kavita Freedom, META-Health Practitioner:
Ich hatte einen Fall juveniler Diabetes, ein 18jähriger Junge der seit seinem zwölften Lebensjahr daran litt. 3 Insulinspritzen am Tag. Ihn zum Sprechen zu bringen war die größte Herausforderung. Aber dann hörte ich ihm nur zu – 2 Stunden lang. Er hatte so viel rauszulassen! Die Eltern stritten sich ständig, und er war dazwischen. In Indien ist es nicht leicht, aus einer Ehe herauszukommen. Auch wenn er sich also nicht vorstellen konnte dass sie sich scheiden, wusste er auch nicht, wie er in Frieden mit ihnen leben könnte. Der Vater traf alle Entscheidungen allein. Sie hatten erst gut in den USA gelebt, dann plötzlich entschied der Vater, dass sie zurück nach Indien ziehen – das war der erste Konflikt. Der zweite Konflikt betraf das Essen: in den USA hatte er Fleisch essen dürfen, in Indien plötzlich nicht mehr. Da war solcher Hass, der Junge hätte seinen Vater umbringen können! Dazu kam eine Menge Machtlosigkeit. Ich machte eine Figur aus einem Kissen, und der Junge schlug eine ganze Stunde darauf ein, um seine Wut herauszulassen. Nach 6 Monaten Therapie, jede Woche eine Sitzung, zeigte der Arztbericht, dass er frei von Diabetes ist. Aber leider konnte ich die Umstände nicht nachhaltig ändern, er lebte nicht frei vom Einfluss des Vaters, so dass die Diabetes zurückkam. Inzwischen ist er nach Neuseeland gezogen…

Der Ernährungsaspekt

Dr Jyoti Lalwani: Wenn unser Körper Süße braucht, müssen wir zurück zur Natur – natürliche Süße von getrockneten Früchten. Was wir heute essen – prozessierte, raffinierte Nahrung -, befriedigt nur unsere Geschmacksknospen aber nicht den Körper, der signalisiert „das ist nicht was ich brauche – das ist nicht genug!“, und der Hunger nach Süße bleibt. Das geht Hand in Hand mit den Gefühlen!

Es gibt 2 Typen von Diabetes: einer ist, wenn der Körper weniger oder kein Insulin produziert. Die zweite – und die herrscht in Indien vor – ist die Hyperinsulinämie: sowohl Blutzucker- als auch Insulinspiegel sind erhöht. Das viscerale Fett, das die Bauchspeicheldrüse umgibt, entspricht auch unserer Ernährungsweise. Genetisch sind wir ausgerüstet für Nahrung mit viel Kohlehydraten, aber seitdem wir sie noch verfeinern und uns weniger bewegen, brennt die Nachfrage nach Insulin die Bauchspeicheldrüse aus.

Ausserdem werden die Tiere mit Hormonen gefüttert, um die Produktion zu erhöhen. Wenn diese nun in die Nahrung gelangen, zusammen mit den Stresshormonen, die das Tier im Blut hatte, beeinflusst uns das auch – es ist also nicht nur der eigene Stress, sondern auch der aus der Nahrungskette! Auch der wirkt sich auf die Hormonbalance und Insulintoleranz aus.

Im Enährungsplan für Diabetiker stoppen wir die tierische Nahrung und machen die Erfahrung, dass eine vegane Ernährung den Zustand remittieren kann. Insulinabhängig oder nicht – man sollte das als Betroffener ausprobieren, anstatt lebenslang Medikamente zu nehmen. Ballaststoffe, hinreichend Wasser, Bewegung, und Genuss beim Essen nach den eigenen Bedürfnissen – aber in Maßen.

Der Suchtaspekt

Richard Flook, META-Health und ACE-Entwickler: Die gleichen Konfliktthemen – Widerstand und Ekel – spielen eine Rolle in Suchtverhalten. Kohlehydrate machen uns glücklich – Nudeln, Brot, Reis, Kuchen – wer mag das nicht? In unserer Arbeit fanden wir heraus, dass abgesehen vom bekannten UDIN-Trauma hier positive UDINs beteiligt sind, d h hier wird das Belohnungszentrum im Hirn, der Nucleus Accumbens angesteuert. Es fühlt sich so gut an, aber es ist so verkehrt – es ist ein Konflikt mit den eigenen Glaubenssätzen. Das betrifft beide Hirnhemisphären und macht eine Konstellation. Wenn deren Ursprung nicht gelöst wird, hängt man im Suchtverhalten fest.

Diese positiven UDINs waren häufig in der Kindheit, wenn wir zB durch Süßes belohnt wurden. Das steht dann für all die Liebe, die man bekommen konnte, für alle glücklichen Momente.
Der Nucleus Accumbens – es gibt 2 – ist benachbart zu den Relais der Koronararterien und -venen – den Zentren für Liebe, Anführerschaft und unsere Vorbilder – dem was uns sozial wichtig ist.

Kavita Freedom: In Indien sind die Hauptkonflikte im familiären Kontext. Zwang, Ärger, Angst. Wenn wir die rausbringen, bewegt sich etwas. Es geht aber auch um Schuldgefühle, die machen dass man sich die Selbstliebe nimmt.

Was ist mit erblicher Diabetes?

Dr Jyoti Lalwani: Wenn ein Elternteil Diabetes hat, ist die statistische Wahrscheinlichkeit für das Kind 40%. Bei beiden Elternteilen 80%. Immer noch 20% frei zu sein! Es hängt von der eigenen Natur, Lebensstil und Motivation ab.
Vorbilder und familiäre Verhaltensmuster sind Teil von Diabetes. Wenn sich Menschen davon lösen, können sie aus der Krankheit aussteigen. Gene kann man nicht ändern, aber epigenetische Faktoren und die Bedingungen prinzipiell schon.

Rob van Overbruggen, META-Health Master Trainer:
Bei einer 74jährige Klientin, die seit ihrem 20. Lebensjahr Diabetes hatte, konnten die Medikamente spontan um 50& reduziert werden. Wie? Indem die Gabe an den derzeitigen Bedarf angepasst wurde! Über lange Zeit war dieser gar nicht mehr gemessen worden.

Anu Mehta: Im letzten Jahr hatte ich mehrere Herzanfälle, also wurde ich regelmäßig untersucht. Ich erlöste die betreffenden Gefühle und Glaubenssätze, und mein Herz ist nun wie das einer 10jährigen. Aber was der Doktor mir auch voraussagte war, dass ich auf dem Weg in die Insulinresistenz sei! Ich habe keine Diabetes. Aber ich bin seit 3-4 Jahren in einer sehr schwierigen Situation: ich wollte immer Weichheit und Zärtlichkeit von meinem Mann, und er konnte mir das einfach nicht geben. Mein Körper war ständig im Widerstand. Ich habe alles versucht mit jeglichen Kommunikationsmöglichkeiten die mir zur Verfügung stehen, aber in der Parnerschaft kann man nicht nur sich selbst ändern. Mit den gegenseitigen Widerständen ist es wie ein Tanz – ein ständiges Tauziehen. Der Tanz schafft das Problem. Ich kann ihn nur dadurch stoppen, dass ich ihm gebe, was ich von ihm will – Weichheit. Wenn ich das tue, kann er sie mir zurückgeben.

Bild: IMMA, Autor Kora Klapp

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